virtuell

Die Phase des Corona-Virus: Wie virtuell effektiv miteinander arbeiten?

Es muss nicht langweilig sein – auch hier zählt die Beziehung!

Durch den Corona-Virus werden derzeit gerade sehr viele Geschäftsreisen und Team-Workshops abgesagt oder verschoben – stattdessen finden auf einmal noch mehr Konferenzen und Meetings als sonst online, im virtuellen Raum, statt.

Da sagst Du vielleicht: “Ach, wie langweilig – da mag ich nicht lange zuhören, da schweife ich leicht ab und bin nur mit einem Ohr dabei, da mache ich nebenher etwas anderes am Computer.” Und so geht es vielen. Nur: So muss es nicht sein! Es wäre ein Fehler anzunehmen, dass im virtuellen Raum alles nur ‘mechanisch’ und ‘anonym’ abläuft und nur Transaktion möglich ist – nur ein ‚Durchgehen‘ von Berichten und Präsentationen.

Schon seit Jahren gibt es viel mehr als nur technische Lösungen, damit wir einander im virtuellen Raum effektiv begegnen und uns produktiv austauschen können: Virtuelle Moderation und Führung ist ein eigenes Feld!

Beziehung und Führung sind eben nicht nur auf unsere tatsächliche Begegnung am selben Ort beschränkt – diese virtuell aufzubauen ist die eigentliche Kunst, und seit über 15 Jahren wird international gezeigt, dass virtuelle Beziehungskultur und Führung nicht nur möglich sind, sondern tatsächlich genauso produktiv sein können.

Wissenswert ist, dass im virtuellen Raum eine ganz eigene Art von Beziehung entsteht: Vertrautheit und Vertrauen bauen sich hier anders auf als wenn wir miteinander physisch im selben Raum sind. Besonders die Stimme und der informelle Austausch mit gegenseitiger Anteilnahme sind wichtig. Manchmal sind wir, wenn wir die teilnehmende(n) Person(en) schließlich ‘real’ treffen, dann sogar erstaunt, wie anders sich diese Begegnung anfühlt, verglichen mit der im virtuellen Raum.

Internationale Erfahrungen haben gezeigt: Wenn die Beziehung im virtuellen Raum, eben als eine ganz eigene, erst einmal richtig gut ist – dann braucht Ihr die ‘verkörperte’ quasi gar nicht mehr! Genau das gilt es zu respektieren – und zu gestalten. Dabei ist partizipative Interaktion ganz wichtig – und monotone ‘Beschallung’ mit Präsentationen eher kontraproduktiv. Die könnten z.B. von jeder/jedem Teilnehmer*in vorab durchgearbeitet werden, so dass Ihr im virtuellen Raum schnell in die eigentliche Diskussion über die Inhalte kommt.

Es geht also darum, gerade nicht nur Informationen, Zahlen/Daten/Fakten, Berichte und Analysen miteinander zu teilen, sondern stattdessen proaktiv und kreativ miteinander nachzudenken, Euch auszutauschen, nachzufragen.

Die Beziehung selbst ist dabei für produktiven Austausch regelrecht der ‘Klebstoff’. Lade daher ruhig die Teilnehmer*innen an einer virtuellen Konferenz ein, etwas zu Trinken und zu Knabbern mitzubringen. Beginne ganz bewusst Eure Session ruhig damit, dass Ihr eine Weile plaudert, Klatsch aus der Organisation miteinander teilt, Euch gegenseitig erzählt, wie es Euch gerade so geht.

Dafür habt Ihr keine Zeit? Wegen Corona-Virus trefft Ihr Euch doch gerade sowieso nicht – also habt Ihr doch Zeit! Und bei einem Zusammentreffen hättet Ihr Euch die informelle Zeit doch auch genommen!

Um Beziehung aufzubauen, geht es gerade darum, auch Informelles im virtuellen Raum miteinander zu teilen. Das ist keine Zeitverschwendung – ganz im Gegenteil, es ist nachweislich eine Investition! Wir wissen es ja mittlerweile von Kongressen: Das Wichtigste und Wertvollste passiert oft in den Pausen, wenn wir als Teilnehmer*innen Zeit haben für Austausch und Netzwerken.

Für Euer nächstes virtuelles Meeting daher hier für jede/n Teilnehmer*in fünf wichtige Regeln für einen guten Rahmen:

  1. Jede*r einzelne Teilnehmer*in sollte allein und ungestört in einem ruhigen, stillen Raum (auch gern zuhause) allein vor einer Screen sitzen – oder bei einer reinen Telefon-Konferenz per Kopfhörer telefonieren, was mehr Bewegungsfreiheit erlaubt
    • Eine Gruppe von Leuten um einen Lautsprecher herum ist kontraproduktiv, ein virtuelles Zuschalten von nur einigen Teilnehmer*innen ebenfalls
  2. Stimme ist wichtig – wie höre ich mich an? Zu leise, zu laut, zu hoch, zu schnell? Pausen sind wichtig – um das, was wir sagen wollen, gut zu gestalten.
    • Monologe und ‚Runterrattern‘ sollte jede*r von Euch vermeiden.
  3. Selbst aufmerksam und präsent (und eben nicht abgelenkt) sein und wirklich gut – ‘aktiv’ – zuhören.
  4. ‚Dreimal 15‘ beachten:
    • 15 Minuten informelle ‘Plauderzeit’ am Anfang ist die wertvollste Investition (z.B. “Was habt Ihr am Wochenende gemacht?”)
    • 15 Minuten informelle Plauderzeit noch einmal als lockere ‘virtuelle Kaffeepause’ nach spätestens 1,5 Stunden Meeting (falls es denn ein langes sein muss).
    • 15 Minuten informeller Austausch am Ende (ohne ein Abfragen der Reihe nach, sondern einfach spontan als ‚Stimmen in den Raum‘):
      • Was fanden wir wertvoll an diesem Meeting?
      • Was hat jede Person gelernt?
      • Was könnte beim nächsten Mal anders/besser laufen?
      • Was schätzen wir aneinander beim Austausch im virtuellen Raum?
  5. Interaktion ist wichtig – ‚Stimmen in den Raum‘: Was könnt Ihr diskutieren?
    • Statt dass nur eine Person präsentiert

Also: Es ist nicht das Durcharbeiten von Aufgaben und Prozessen, das Euren Erfolg im virtuellen Raum garantiert – es ist gerade das Informelle, der lockere Austausch, die Interaktion und das Eingehen aufeinander, auch mit Nachfragen und gutem Zuhören. Gerade durch den informellen Austausch werden Eure formellen Meeting-Elemente leichter und produktiver!

Es sind auch hier Beziehungen, die aufgebaut, gestaltet und gepflegt sein wollen!

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